Original English version
Vom 19. bis 21. Oktober fand im Bilderberg Europa Hotel in Scheveningen (Niederlande) die achte und letzte SF-Convention der
Utopia-Reihe statt. Unter den Stargästen war auch Luciana Carro, die in den ersten drei Staffeln von "Battlestar Galactica" die Viperpilotin Louanne "Kat" Katraine spielte.
Caprica City und dem
Luciana Carro Fan Board) gewährte die Italo-Kanadierin freundlicherweise ein halbstündiges Interview. Lesen Sie hier, was Sie über Conventions und Kat-Merchandise denkt.
Auch die Intensität von "Battlestar Galactica"-Drehs, die Rivalität mit Starbuck sowie die Reaktion der Fans darauf, Slow dancing mit Regisseur Michael Nankin, Luciana Carros erste Begegnung mit Al Pacino und die "Harry Potter"-Bücher waren Thema dieses Gesprächs.
Vorsicht vor schweren Spoilern für die dritte Staffel!
Caprica City/Luciana Carro Fan Board: Ich weiß, dass du nicht sehr oft nach Europa kommst und erstmals in den Niederlanden bist. Was sind deine ersten Eindrücke?
Luciana Carro: Das Hotel und die Straße gegenüber sind bisher leider alles, was ich gesehen habe. Aber ich mag die Leute, sie sind sehr herzlich. Ich würde gern wiederkommen. Am Montag [nach dem Ende der Convention] werde ich ein bisschen mehr von diesem Land sehen.
CC/LCFB: Nach Vcon in Vancouver und All-Con in Dallas ist das hier deine dritte Con, aber deine erste außerhalb Nordamerikas. Wie unterscheiden sich deine bisherigen Con-Erfahrungen?
Carro: Also, auf der Con in Texas trugen eine Menge Leute ein Kostüm. [Utopia] ist allgemein anders, denn diese Con findet in Europa statt, und die Menschen in Europa sind ein bisschen anders. Hier ist alles etwas intimer. Ich mag es, dass ich die Gesichter der Conbesucher hier immer wieder sehe.
CC/LCFB: Wann genau ist dir bewusst geworden, dass "Battlestar Galactica" keine gewöhnliche Serie ist, sondern Tausende Fans aus aller Welt dazu animiert, allein oder gemeinsam verschiedenste Dinge zu tun, z.B. Fan Art zu gestalten oder sich auf Cons zu treffen? Gab es da einen Schlüsselmoment?
Carro: Das war wohl so in der Mitte der zweiten Staffel, denn während der ersten Staffel hatte ich noch keine rechte Ahnung, für welche besondere Art von Serie ich arbeitete. Damals wusste ich einfach nicht, was genau da vor sich geht. Ich bekam die Drehbücher noch nicht vorm Dreh, also wusste ich immer nur, dass ich ein paar Zeilen sprechen würde.
Als ich dann anfing, die Drehbücher zu lesen, sagte ich zu mir "wow, die sind ja richtig gut". Wenn man [nur einzelne kleine Szenen] in solchen Folgen und Serien dreht, weiß man nie, wie das Ganze nach dem letzten Schnitt ausschaut. Als mir die Qualität der Serie bewusst wurde, dachte ich mir "wow, was habe ich denn für ein Glück? Ich arbeite für eine großartige Serie!". Dann ging ich auf die All-Con in Dallas, und da bekam ich mit, dass BSG so viele so loyale Fans hat.
CC/LCFB: Wo wir gerade dabei sind, dass "Galactica" keine Serie wie jede andere ist: Vor kurzem wurden zwei Figuren deines Charakters Kat angekündigt, eine Actionfigur und ein MiniMate.
Carro: Oh ja, meine Bestellung ist schon raus. Denn ich weiß nicht, ob sie [Diamond Select Toys] mir überhaupt welche schicken. Ich hoffe, sie tun es, denn das bin schließlich ich. Von der Actionfigur habe ich erst von meinem Fans erfahren. Ich hätte das nicht mitbekommen.
CC/LCFB: Schade, dass deine Figur zwar einen Kat-Kopf hat, aber den Starbuck-Körper wiederverwendet.
Carro: Ja, ich weiß. Sie ist ja viel größer als ich. Aber das ist in Ordnung. Eine eigene Actionfigur zu haben ist die Erfüllung eines Traums. Manchmal werden Träume wirklich wahr.
CC/LCFB: Sollten deine [300] Barbies schon mal Platz machen? Und was denkt deine Familie über die Figur?
Carro: Ja, [Kat] wird in der ersten Reihe stehen. Ich bin sicher, dass sie [meine Verwandten in Italien] auch schon ihre Bestellungen abgegeben haben.
CC/LCFB: Welche besonderen Szenen, Momente oder Personen verbindest du heute am meisten mit deiner persönlichen "Battlestar Galactica"-Erfahrung?
Carro: Nun, ich hatte das Glück, mit einigen richtig guten Regisseuren zu arbeiten, die wirklich liebgewonnen habe. Michael Nankin, der bei [meinen großen Folgen] "Der beste Jäger der Zylonen" und "The Passage" Regie führte, war einer der Besten. Er hat mich einfach mein Ding machen lassen. Während die Drehs vorbereitet wuren, wurde immer etwas Musik gespielt. Da bat er mich zum Slow Dance. Es war so surreal: Jeder geht seiner Arbeit nach, bereitet den Green Screen und alles andere vor – während ich mit Michael Nankin tanze.
CC/LCFB: Was waren die intensivsten oder anstrengendsten Momente deiner Zeit auf dem "Battlestar"-Set?
Carro: Definitiv meine letzte Folge "The Passage". Da bin ich während des gesamten Drehs "in character" geblieben, [also auch zwischen den Takes]. Bei "Die Reporterin" war es genauso. Dann diese eine letzte Szene auf der Krankenstation. Ich schämte mich so sehr. Das war die letzte Szene, die wir drehten, und ich war so kaputt vom Schreien und Treten. Das waren einige der intensivsten Szenen, die ich je gemacht habe, jedenfalls fürs Fernsehen.
CC/LCFB: Wegen der vielen Greeen-Screen-Szenen hattest du nicht gerade viele Gelegenheit, zusammen mit den Hauptdarstellern zu spielen, oder?
Carro: Ihr habt die Szenen mit Edward [James Olmos] und mit einigen anderen gesehen, also da gab es schon welche. Im Rec room zum Beispiel. Aber meistens war ich in der Tat allein, und gerade in meinen frühen Folgen drehte sogar nur die Second Unit mit mir. Dort habe ich auch Mary McDonnell getroffen, doch ich bekam nie die Chance einer gemeinsamen Szene. Immerhin habe ich sie schauspielern sehen. Außerdem hätte mich sehr interessiert, was auf den Basestars so vor sich geht.
CC/LCFB: Was hast du gedacht oder gefühlt, als man am Ende von "The Passage" dein Namensschildchen unter dem CAG-Zeichen angeheftet hat? Hattest du das vor der Ausstrahlung überhaupt gesehen?
Carro: Das war etwas ganz Besonderes. Ich wusste [auch] nicht, dass sie [Karas Foto neben das von Kat heften würden], und es rührt mich schon wieder zu Tränen. Das war so außergewöhnlich, weil ich es einfach satt hatte, mich immer mit dem gleichen Charakter zu streiten. Man will, dass sie sich vertragen, weil sie einander so sehr ähneln. Und dass sie mich posthum zum CAG befördert haben, war auch etwas Besonderes. Ich sage immer "mich", aber es war gar nicht ich, sondern Kat. (lacht)
Ich fühle mich Kat eben sehr nah, sie lag mir sehr am Herzen. Manchmal wünsche ich mir, es hätte mehr Szenen gegeben, in denen Kat und Starbuck sich vertragen. Nur hätte das die Story etwas verändert, denn sie wollten ja, dass sich jemand gegen Starbuck auflehnt. Das brauchte sie auch, denn sie baute wirklich eine Menge Mist. Sie geriet außer Kontrolle und verhielt sich verantwortungslos.
CC/LCFB: Kat war einer der Piloten – oder Soldaten im Allgemeinen – die sich für weiteren Dienst auf der Galactica entschieden, während viele andere auf Neu Caprica siedelten und dort ein neues Leben begannen. War das Fliegen für Kat das Ein und Alles?
Carro: Ich glaube, sie fühle sich der Galactica einfach sehr verbunden und verpflichtet. Wegen ihrer Vergangenheit hatte sie sich dem Militär angeschlossen, um den Menschen zu helfen. Und nun fühlte sie eine Verpflichtung gegenüber diesen Menschen auf dem Schiff.
CC/LCFB: Wärst du gern als Kat in Starbucks Kopf wieder aufgetaucht, um sie zu necken?
Carro: Das wäre cool gewesen, aber leider ist es so nicht gekommen. (lacht)
CC/LCFB: Nach "Die Reporterin" und vor allem nach "Der beste Jäger der Zylonen" wurde deine Rolle Kat gerade von Seiten der Starbuck-Fans heftig kritisiert. Kat wurde auch deshalb sogar zu einem der am kontroversesten diskutierten Charaktere. Hast du sogar böse Briefe oder sowas bekommen?
Carro: Nein, sowas habe ich nie bekommen. Allerdings schaue ich ab und zu in die Internetforen. Dann wird mir wieder bewusst, dass ich die eigentlich nicht lesen will, denn [die Kritik] setzt mir dann doch zu. Ich meine, eigentlich sollte ich es lassen.
Die Leute erzählen mir immer, dass ich meinen Job genau richtig mache, wenn [die Rolle] so starke Reaktionen hervorruft. Nun ja, schon, nur manchmal verletzt es eben meine Gefühle, zumal ich durchaus nachvollziehen kann, weshalb sich Kat genauso und nicht anders verhalten hat. Und manchmal habe ich einfach nicht verstanden, weshalb es andere Leute nicht so gesehen haben. Aber gut, es soll natürlich jeder seine eigene Meinung haben.
Jedenfalls versuche ich, nichts von den gemeineren Sachen zu lesen, die die Leute so schreiben. Manchmal sichte ich die Internetforen, aber meine Mutter macht es noch öfter als ich. Wie gesagt, eigentlich will ich mich davon fernhalten, doch manchmal kann ich nachts nicht schlafen und meine Finger tippen dann wie von Zauberhand die entsprechenden Adressen. Dann "ego-surfe" ich, und manchmal verletzt es mich. (lacht) Und manchmal schmeichelt es mir, aber Ego ist sowieso schlecht, also wer braucht schon ein Ego? (lacht)
CC/LCFB: Seit deinem letzten "Galactica"-Drehtag ist bereits mehr als ein Jahr vergangen. Warst du seitdem noch mal am Set? Wirst du auf die vierte und letzte Wrap-Party gehen?
Carro: Nein, denn ich wohne nicht mehr in Vancouver. Ich wohne jetzt in Los Angeles. Wenn ich noch einmal nach Vancouver komme, bevor die Season zu Ende ist, dann werde ich dem Set definitiv einen Besuch abstatten, um allen Hallo zu sagen und mit ihnen ein bisschen Zeit zu verbringen. Auf die dritte Wrap-Party konnte ich leider nicht gehen, ich glaube, ich habe in der Zeit meine Familie in Toronto besucht.
CC/LCFB: Was kannst du uns über "Snowglobe" erzählen, deinen Weihnachtsfilm, der im Dezember auf ABC ausgestrahlt wird?
Carro: Als ich für diesen Film vorsprach, war eigentlich von einer Hauptrolle die Rede. Doch nun, nach dem Dreh, fühlt es sich eher wie eine Nebenrolle an. Es hat jedenfalls Spaß gemacht, meine Rolle Gina ist im achten Monat schwanger. Sie ist eine typische Amerikanerin mit italienisch-kubanischen Wurzeln, laut und sehr familienorientiert. Ginas große Lebensziele sind, zu heiraten und Kinder zu bekommen. Davon abgesehen hat sie keine große Ambitionen. Es war Comedy, und es war echt lustig.
CC/LCFB: Gina ist zu Beginn des Filmes schwanger – wird sie gegen Ende noch das Kind bekommen?
Carro: Ich werde kein Kind gebären. Das ist Disney; ich weiß nicht, ob die sowas machen. (lacht)
CC/LCFB: Apropos Filme: Du hattest in deiner Karriere schon die Gelegenheit, mit großen Stars wie Will Ferrell, Al Pacino und den Wayans-Brüdern zusammenzuarbeiten. Was kannst du uns darüber erzählen?
Carro: Oh ja. Also, das Interessante an Al Pacino ist: Normalerweise bin ich ich überhaupt nicht aufgeregt, wenn ich einem Star begegne. Aber genau das ist mir bei Al Pacino passiert, total. Ich war so nervös, meine Hände waren klatschnass. Bei diesem Film ["Two for the Money" ("Das schnelle Geld")] arbeitete ich auch mit Rene Russo zusammen. Als sie mir sagten, "jetzt nehmen wir dich mit aufs Set", da dachte ich mir "oh mein Gott, ich kann nicht fassen, dass ich mit Al Pacino arbeite!".
Ich kam also da hin, er saß auf der einen Seite, Rene Russo auf der anderen. Ich war so nervös, dass ich ihn gar nicht grüßte, sondern zu Russo ging. Ich sagte sagte "Oh, hi Miss Russo, schön, sie kennenzulernen". Al Pacino muss meine Aufregung wohl bemerkt haben. Plötzlich streckte er seine Arme aus und rief "oh mein Gott, du bist die perfekte Besetzung". Ich konnte nur "oh" sagen, während er mich umarmte.
Als ich ihm beim Arbeiten zusah, war ich wirklich erstaunt, wie ernst er seine Rolle nimmt, auch vor dem Dreh. Ich habe acht Stunden mit ihm verbracht, und er blieb "in character". In dem Film hatte seine Rolle übrigens einen Herzfehler. Zehn Minuten vor Drehbeginn sah ich ihn allein irgendwo stehen, und er fasste sich an die Brust. Ich dachte "sollten wir einen Sanitäter holen?", denn er ist ja schon ein bisschen älter. (lacht)
Ich fragte ihn, ob alles in Ordnung wäre, und er sagte nur "ja, mir geht's gut". Da wurde mir bewusst, dass er sich auf seine Rolle vorbereitete – obwohl eine solche Szene mit Schmerzen in der Brust gar im Drehbuch enthalten war. Das war echt cool.
Will Ferrell ist überhaupt nicht so, wie man ihn von seinen Filmen kennt. Wenn er nicht dreht, ist er ziemlich ruhig. Aber sobald die Kamera angeht, improvisiert er seine eigenen Dialoge, zieht sein Ding durch – und du weißt nicht, was auf dich zukommt. Großes Improvisationstalent, so viel ist sicher. Mit ihm habe ich auch meine Improvisation geübt.
CC/LCFB: Nachdem du bei Al Pacino so aufgeregt warst, kannst du dir vielleicht vorstellen, wie sich einige der Leute fühlen, die dich hier an diesem Wochenende treffen.
Carro: Ja, irgendwie schon. Aber Al Pacino ist eine ganz andere Liga.
CC/LCFB: Im Moment wird viel über die möglichen Streiks der Fernseh- und Kinoschaffenden geredet und geschrieben. Dürfen wir fragen, was das für dich persönlich bedeutet? Hast du einen Plan B, falls es ernst werden sollte?
Carro: Ja, es wird uns alle betreffen. Aber der Streik ist nötig. Sie [die Gewerkschaften] haben gute Argumente. Hoffentlich wird es sich nicht allzu lange hinziehen, damit bald alles wieder normal läuft. Ich glaube, ich werde ein Theaterstück produzieren und mich darauf konzentrieren.
CC/LCFB: Zum Schluss noch eine Frage zu deiner Freizeit. In deinem MySpace-Profil steht, dass du die "Harry Potter"-Romane sehr magst. Was gefällt dir an den Büchern oder den Filmen?
Carro: "Harry Potter"... ich habe die Filme nicht gesehen und werde sie auch nicht schauen, bevor ich alle Bände gelesen habe. Normalerweise mag ich Bücher eh lieber als die Filmadaptionen. Was ich an "Harry Potter" liebe? Es ist so magisch. Sobald ich mit dem Lesen anfangen, versinke ich total in dieser Welt und kann das Buch nicht mehr weglegen.
Ich habe erst zwei der Romane gelesen. Ich wünschte, ich hätte mir den dritten Band für den Flug hierher gekauft; ich würde ihn sicher in einem Rutsch verschlingen. Denn wenn ich das Buch wieder schließe, habe ich das Gefühl, dass die Geschichte ohne mich weitergeht. Also muss ich weiterlesen. Ich bin süchtig nach Harry.
CC/LCFB: Gibt es eine Frage, für die du immer eine clevere Antwort parat hast, aber die dann noch nie gestellt wird? Falls ja, dann ist das deine Chance, uns einen Hinweis zu geben...
Carro: Oh Gott, das ist eine schwierige Frage. Wisst ihr, ich bin nicht so der Typ fürs Vorbereiten, sondern improvisiere lieber. Also, nein, ich habe keine bestimmte Frage, die man mir stellen sollte.
CC/LCFB: Luciana, es war ein Vergnügen, mit dir zu sprechen.. Danke für dieses Interview, und wir hoffen, dass du die Tage in den Niederlanden genießen wirst.
Carro: Danke.
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